Erziehung: Wie viel Fernsehen darf ein Kind schauen?

Selten haben sich Pädagogik, Medienwissenschaft und Psychologie so auf ein Thema gestürzt wie auf dieses. Wie viel Fernsehen ist gut, nötig, förderlich, destruktiv für unsere Kinder? Einig sind sich alle wissenschaftlichen Disziplinen nur in einem: Diese Fragestellung gilt es ausholend zu behandeln – doch zu einem eindeutigen Ergebnis zu gelangen ist schwierig.

Natives versus Immigrants

Die Kinder der heutigen Generation wachsen in einem ungeheuren Mediensturm auf – Tag für Tag kommen sie immer wieder in Kontakt mit dem Internet, Fernsehen, Smartphones, Konsolen und Spielen. Forscher sprechen von der sogenannten Generation der Digital Natives: Unsere Kinder werden mit diesen Medien sozialisiert, ihre Benutzung geht ihnen in Fleisch und Blut über. Wir dagegen sind die Digital Immigrants – und mussten den Umgang mit den Medien erst Schritt für Schritt erlernen. Kein Wunder, dass uns die Leichtigkeit, mit der unsere Kinder sich zwischen den Medien bewegen, Angst macht – und wir uns immer wieder fragen, ob dieser Medienumgang nicht schädlich für die Kinder sein könnte.

Schaden durch Fernsehen?

Besonders die ausgeprägte Fernsehnutzung der Kinder stößt den Erwachsenen immer wieder sauer auf. Schließlich gehört der Fernseher unter den Kindern und Jugendlichen zu einem der meistgenutztesten Medien – und das, obwohl die Inhalte des Fernsehens sehr zu wünschen übrig lassen. Seifenobern, Gewaltfilme und Unterschichts-Dokus berieseln die Kinder mit erstickender Ideenlosigkeit. Daneben führt der konstante Medienkonsum zu einem immer niedrigeren Level an Selbstreflexion – anstatt dass sich die Kinder und Heranwachsenden mit ihrer eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen, nehmen sie passiv die Inhalte des Fernsehens auf und laufen Gefahr, die Eindrücke unreflektiert zu übernehmen. Schlechtere Schulnoten und geringe soziale Fähigkeiten können die Folgen sein.

Kleinkinder und das Fernsehen

Gerade bei kleinen Kindern wirkt sich Fernsehen auf das Schlafverhalten aus und führt durch bedrohliche Inhalte zu ungesunden Mustern – und für Kleinkinder kann vieles bedrohlich sein, was für uns Erwachsene völlig normal ist. Das beginnt bei der schrillen Kleidung eines Clowns und hört bei den Streitigkeiten und scheinbar harmlosen Mobbereien zwischen Charakteren in Kinderfilmen nicht auf. Die häufig beobachtete Tendenz von gestressten Eltern, die Kinder zur Entspannung vor die Glotze zu setzen, um sie ruhig zu stellen, ist dementsprechend weder von Erfolg gekrönt noch pädagogisch richtig.

Flimmerkiste mit Vorteilen

Das Fernsehen kann allerdings auch Vorteile haben. Aufgeweckte Kinder benutzen die Inhalte des Fernsehens – so sie von den Erziehungsberechtigten richtig ausgewählt werden –, um sich mit Themen zu beschäftigen, die sie aktuell betreffen. So schwärmen sie für Helden und versuchen, sich mit den tugendhaften Fernseh-Figuren zu identifizieren. Daneben werden in den richtigen Programmen auch moralische Werte vermittelt.

Der richtige Konsum

Wie bei so vielen Dingen gilt also auch beim Fernsehen: Der richtige Weg führt durch die goldene Mitte. Schon von Kindesalter an sollten Eltern ihrem Nachwuchs den richtigen Fernseh-Konsum anerziehen. Wer Fernsehen beispielsweise als Familien-Erlebnis gestaltet, regt dadurch das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Familie an. Daneben sollten die Sendungen, die Kinder alleine sehen dürfen, von den Eltern sorgfältig ausgesucht werden. Und obwohl es immer wieder zu Streitigkeiten führt: Für die Fernseh-Zeit müssen strikte Regeln her – stundenlanges Fernsehen gehört untersagt. Je nach Alter muss nach einer halben bis einer Stunde die Flimmerkiste gegen ein Buch oder ein Brettspiel eingetauscht werden.

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